Homberg (Efze) trägt seit dem 19. Februar 2014 die amtliche Zusatzbezeichnung Reformationsstadt. Der Grund liegt hundert Schritte von der Burg des Reyches entfernt: In der Stadtkirche St. Marien tagte im Oktober 1526 die Homberger Synode, auf der die Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen beschlossen wurde. Diese Seite erzählt Landesgeschichte — und nur die.
Warum Homberg
Die Stadt war für Versammlungen eingerichtet, lange bevor 1526 etwas Besonderes daraus wurde. St. Marien war groß und gut erreichbar, Homberg lag am Schnittpunkt zweier Fernstraßen und konnte genug Quartier stellen. Die hessischen Landstände tagten hier 1508, 1509, 1514, 1518 und später noch 1536. Wer in der Landgrafschaft etwas verhandeln wollte, wofür es Raum und Betten brauchte, kam nach Homberg.
Der Anlaß: der Reichstag zu Speyer
Den Anlaß gab der Reichstag zu Speyer 1526. Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen handelte danach schnell: Mit Einladungen vom 5. und 10. Oktober 1526 berief er die Stände zu einer Versammlung nach Homberg.
Die Verhandlung in St. Marien
Vorgetragen wurden die Streitsätze von Franz Lambert von Avignon, einem ehemaligen Franziskaner, der seine Paradoxa auf Latein vorlegte; Adam Krafft übersetzte sie für die Versammlung. Die Leitung hatte Kanzler Johann Feige. Widerspruch kam vom Marburger Franziskaner Nikolaus Ferber; für die Teilnahme war freies Geleit zugesagt — die Synode war als Disputation angelegt, nicht als Gericht.
Eine Kirchenordnung, die nie in Kraft trat
Die Versammlung beschloß die Einführung der Reformation in der Landgrafschaft und setzte eine Kommission ein. Bis Dezember 1526 lag deren Entwurf vor, die Reformatio ecclesiarum Hassiae.
In Kraft trat sie nie. Martin Luther hielt sie für zu weitgehend und riet zur Schrittfolge; überliefert ist sein Rat „kurz und gut, wenig und wohl“. Philipp folgte ihm. Die Homberger Synode ist damit ein Beschluß, dessen bekanntestes Schriftstück Papier blieb — und der trotzdem gewirkt hat.
Was folgte
- die Säkularisierung der Klöster in der Landgrafschaft
- die Gründung der Universität Marburg
- die Einrichtung von Hospitälern für Kranke und Arme
- die geordnete Kirchenbuchführung — Taufen, Trauungen, Sterbefälle schriftlich, woraus die Familienforschung bis heute lebt
Und zwei weitere Synoden, 1532 und 1533, tagten nicht mehr in der Kirche, sondern auf der Hohenburg über der Stadt — dort, wo das Reych seinen Namen herhat. Mehr über die Burg steht auf der Seite Die Hohenburg über Homberg.
Was man in Homberg davon sieht
Die Stadt hat ihre Erinnerung an 1526 über die Jahrhunderte sichtbar gehalten:
- St. Marien, Grundsteinlegung 1340, gilt als die Reformationskirche Hessens und gehört zu den wichtigsten gotischen Baudenkmälern Nordhessens.
- Im Chor erinnert ein Reformationsfenster von 1893 an die Synode, am Schmuckportal eine Gedenktafel.
- Auf dem Marktplatz steht seit dem 21. Oktober 2001 ein Denkmal des Landgrafen Philipp von Ewald Rumpf, aufgestellt zur 475-Jahr-Feier.
- In der ehemaligen Engel-Apotheke sind seit 2019 das Haus der Reformation und das Hohenburgmuseum untergebracht.
- Seit dem 19. Februar 2014 führt Homberg die amtliche Zusatzbezeichnung Reformationsstadt.
Diese Seite berichtet über die Geschichte der Stadt Homberg (Efze) und der Landgrafschaft Hessen. Sie enthält kein Bekenntnis und keine Bewertung einer Konfession: Schlaraffia ist ein Spiel der Freundschaft, der Kunst und des Humors — Politik und Religion bleiben vor der Burgpforte, und das Reych nimmt zu Glaubensfragen keine Stellung. Die Angaben folgen der öffentlich zugänglichen Stadt- und Landesgeschichte; der Wortlaut des Luther-Rates ist der Literatur entnommen. Stand: September 2026.