Zur Hohenburg — Schlaraffia in Homberg/Efze

Zur Hohenburg · Reych Nr. 430 · Homberg/Efze in Hessen

Die Hohenburg und die Stadt Homberg

Homberg (Efze) ist Kreisstadt des Schwalm-Eder-Kreises in Nordhessen, eine Kleinstadt mit rund 14.000 Einwohnern, durchflossen von der Efze. Ihren Namen hat sie nicht von einem Fluß und nicht von einem Heiligen, sondern von der Burg über ihr.

Die Stadt ist eine Gründung der hessisch-thüringischen Landgrafen und wird 1231 erstmals urkundlich als Stadt genannt. Ihre Lage war der Grund ihrer Bedeutung: Homberg liegt im Schnittpunkt zweier alter Handelsstraßen, der Straße von Fritzlar nach Hersfeld und der „Langen Hessen“ von Frankfurt am Main nach Leipzig. Schon 1231 ist von einer Doppelstadt unterhalb der Burg die Rede — der Altstadt als Oberstadt und der „Freiheit“ als Unterstadt, die von 1356 bis 1536 ein eigener Ort mit eigenem Bürgermeister, eigener Verwaltung und eigener Kirche war. 1536 verband das noch erhaltene Neue Tor beide.

Wollhandel und wollverarbeitende Berufe machten Homberg zu einer der wohlhabendsten Städte der Landgrafschaft. Die Zunftbriefe der Schuhmacher und Lohgerber von 1345, der Böttcher und Wagner von 1404 und der Leineweber von 1428 sind erhalten; 1340 wurde der Grundstein der Stadtkirche St. Marien gelegt. Zweimal, 1318 und 1356, brannte die Stadt bis auf den Grund; von 1346 bis 1349 wütete die Pest.

Wer heute durch die Altstadt geht, sieht diese Stadt noch. Homberg gehört zu den wenigen Städten, die ihren mittelalterlichen Kern weitgehend bewahrt haben — viele der Gebäude, die Matthäus Merian 1655 in seiner „Topographia Hassiae“ abbildete, stehen noch. Vor der Kirche wächst eine Linde, die vermutlich über 730 Jahre alt ist. Wie die alten Fernwege, die Homberg reich gemacht haben, verlaufen und wohin sie führen, steht auf der Seite Auf den alten Hessenstraßen.

Die Hohenburg

Die Hohenburg steht auf dem Schloßberg, einem steil aus der Efzeaue aufragenden Basaltkegel, 376,5 Meter über dem Meeresspiegel, heute bewaldet und von drei Seiten von der Stadt umgeben.

Wer sie erbaute und wann, ist nicht bekannt. 1162 wird ein „Rentwich von Hohenburg“ urkundlich genannt; um 1190 gilt die Burg als landgräflich und wird Amtssitz der landgräflichen Verwaltung. Urkundlich erscheint die Burg selbst 1246. Burg und Stadt bildeten eine Einheit.

1508 war Erzbischof Hermann IV. von Köln, Bruder des hessischen Landgrafen, Eigentümer der Burg und ließ sie aufwendig umbauen; eine bei Grabungen gefundene Bronzetafel mit seinem Namen und dem Jahr 1508 liegt heute im Heimatmuseum der Stadt. Von 1605 bis 1613 ließ Landgraf Moritz den Burgbrunnen herstellen — 150 Meter tief, einer der tiefsten Burgbrunnen Deutschlands.

Dieser Brunnen entschied den Krieg um die Burg. Am 16. Juli 1636 besetzten kaiserliche Truppen die Stadt; die Belagerung der Burg durch ein Heer von 13.000 Mann unter General Johann von Götzen wurde abgewehrt. Doch auf der Burg hielten sich damals etwa 3.000 Flüchtlinge auf, und eine Frau stürzte in den Brunnenschacht — das Wasser war nicht mehr nutzbar. Bei der erneuten Belagerung am 3. August 1636 mußte die Besatzung aus Wassermangel kapitulieren. Beim Abzug brannten die kaiserlichen Truppen Burg und Stadt nieder.

1647 setzten Truppen des Generals Peter Melander von Holzappel die Ruine notdürftig instand; vom 28. bis 30. Januar 1648 eroberte Generalwachtmeister Carl Rabenhaupt sie für Hessen-Kassel zurück, am 9. Februar 1648 kapitulierte sie erneut. Wenig später endete der Krieg.

Aufgebaut wurde die Burg nicht mehr. Sie verfiel und diente als Steinbruch für den Wiederaufbau der ebenfalls zerstörten Stadt — noch heute stecken viele ihrer Bauteile in Homberger Häusern, und der Brunnen wurde 1657 endgültig verfüllt. 1822 kam die Ruine in den Besitz der Stadt; seit 1936 wird die Anlage von einem Burgverein freigelegt und betreut. Der wuchtige Turm, den man von der Stadt aus sieht, ist kein mittelalterlicher Bergfried: Er wurde von 1952 bis 1958 auf alten Fundamenten als Aussichtsturm im Stil alter Bergfriede errichtet. Die ganze Geschichte der Burg — die Belagerungen, der Brunnen und seine Wiederfreilegung — steht auf der Seite Die Hohenburg über Homberg.

Die Homberger Synode von 1526

Weil die Stadtkirche St. Marien gut erreichbar war und Homberg genug Quartier bot, tagten hier die hessischen Landstände — 1508, 1509, 1514, 1518 und 1536. Das bekannteste dieser Treffen fand im Oktober 1526 statt: die von Landgraf Philipp dem Großmütigen einberufene Homberger Synode, auf der die Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen beschlossen wurde.

Für Homberg blieb dieser Oktober die Stunde, auf die sich die Stadt bis heute beruft. Seit dem 19. Februar 2014 trägt sie die amtliche Zusatzbezeichnung Reformationsstadt; St. Marien gilt als die Reformationskirche Hessens und gehört zu den wichtigsten gotischen Baudenkmälern Nordhessens. Auf dem Marktplatz sitzt seit dem 21. Oktober 2001 ein Denkmal des Landgrafen Philipp, aufgestellt zur 475-Jahr-Feier. Und zwei weitere Synoden, 1532 und 1533, tagten nicht in der Kirche, sondern auf der Hohenburg selbst. Was 1526 in Homberg verhandelt wurde und was daraus folgte, erzählt die Seite Die Homberger Synode von 1526 — als Landesgeschichte; zu Glaubensfragen nimmt Schlaraffia keine Stellung.

Die Burg Chattenfeste

Das Homberger Rathaus wurde 1704 auf den Grundmauern eines im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Vorgängerbaus aus dem fünfzehnten Jahrhundert errichtet. Den Turm bekam es nach dem Siebenjährigen Krieg; die Wetterfahne stammt von 1767. Neben dem gotischen Eingang an der Treppe zur Obertorstraße ist die Homberger Elle eingelassen, ein mittelalterliches Längenmaß von 57,4 Zentimetern, das bis in den thüringischen Raum hinein Geltung hatte. An derselben Obertorstraße liegt der Eingang zum Stadtkeller.

Die Homberger Schlaraffen sippen nach eigener Angabe im Rathauskeller der Stadt, Seiteneingang Obertorstraße. Ihre Burg heißt Chattenfeste — nach den Chatten, dem germanischen Stamm, dessen Siedlungsschwerpunkt in den Tälern von Eder, Fulda und oberer Lahn lag und aus dessen Namen der Landesname Hessen nach einer verbreiteten, in der Forschung aber nicht unbestrittenen Deutung hervorgegangen ist. Derselbe Stammesname steckt im Namen des Mutterreyches, der Marpurgia Chattensis (Reych 317) in Marburg.

Die Gründung — a. U. 160 und a. U. 161

Ein Wort zum Kalender, damit die Daten dieses Abschnitts lesbar bleiben. Die Schlaraffen zählen ihre Jahre — Jahrungen — seit 1859, dem Gründungsjahr der Allmutter Praga in Prag: das profane Jahr ergibt sich aus 1859 plus der Zahl hinter a. U. Und die Monate tragen alte deutsche Namen: Eismond ist der Januar, Lenzmond der März.

Aus der Marpurgia Chattensis in Marburg kam der Wunsch, auch in Homberg schlaraffisches Leben zu begründen. Der Allschlaraffenrat veröffentlichte auf Antrag des präsumtiven Mutterreyches die beabsichtigte Gründung einer Colonie „Zur Hohenburg“ in Homberg an der Efze. Gefeiert wurde die Gründung am 23. im Lenzmond a. U. 160 — am 23. März 2019.

Zehn Monate später, ab dem 15. im Eismond a. U. 161, sippte die junge Gemeinschaft in ihrer neuen Burg Chattenfeste. Im selben Jahr genehmigte der Allschlaraffenrat einstimmig den Antrag auf Sanktion; der Antrag des Mutterreyches war zuvor nach § 18 Ziffer 1 veröffentlicht worden. Die Sanktionsfeier fiel dann der Pandemie zum Opfer: „Leider müssen wir auf Grund der dzt. Situation unsere Sanktionsfeier am 24.4. absagen.“

So kurz ist diese Geschichte bisher — sieben Jahrungen, drei Daten, eine Burg. Sie wird länger werden.

Schlaraffia Homberg heute

Der Kulturverein Schlaraffia Homberg/Efze e.V. – Zur Hohenburg (430) – pflegt die Werte der Schlaraffia: Humor, Freundschaft und Kunst. Unsere Burg befindet sich im Rathauskeller der Stadt Homberg, Seiteneingang in der Obertorstraße. Stufe für Stufe ist hier ein lebendiges Uhunest entstanden, in der Stadt, die von der Hohenburg auf dem Schloßberg gekrönt wird.

Gäste sind uhuhertzlich willkommen. Ein Besuch verpflichtet zu nichts und kostet nichts.

Die geschichtlichen Angaben zum Reych sind im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv belegt, in den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung. Die Angaben zur Stadt Homberg, zur Hohenburg und zur Homberger Synode folgen der öffentlich zugänglichen Stadt- und Landesgeschichte. Offen bleibt dreierlei, und wir sagen es lieber, als es zu glätten: Ob die für den 24. April angesetzte und abgesagte Sanktionsfeier später nachgeholt wurde, sagen die uns vorliegenden Unterlagen nicht — diese Seite nennt deshalb kein Sanktionsdatum und weist auch keine Stufenbezeichnung als heutigen Stand aus. In welchem Jahr die Absage erfolgte, geht aus dem Zitat nicht hervor. Und die frühen Stufen — wann ein Stammtisch entstand, wann er zum Feldlager erhoben wurde und wo vor der Chattenfeste gesippt wurde — sind in den uns vorliegenden Unterlagen nicht verzeichnet; das Gründungsjahr des Mutterreyches ebenso wenig. Wer zu einem dieser Punkte Unterlagen, Bilder oder Erinnerungen beitragen kann, möge sich bitte melden. Stand: September 2026.


Geschichte der Schlaraffia

Historische Aufnahme einer Schlaraffia-Sippung

🦉 Schlaraffia in Zahlen: Gegründet 1859 · Über 200 Reyche weltweit · 5 Kontinente · Eine Sprache · Eine Gesinnung: Humor, Freundschaft und Kunst.

Die Wiege: Prag, 1859

Es begann mit einer Handvoll Künstler und Intellektueller im Prag des Jahres 1859. Schauspieler, Dichter, Maler – Menschen, die die Schwere der Zeit für einige Stunden ablegen wollten, um gemeinsam zu lachen, zu spielen und Freundschaft zu pflegen. Sie nannten ihre Runde schlicht: Schlaraffia.

Der Name war Programm: Das sagenhafte Schlaraffenland, jenes Land der Leichtigkeit und Freude, sollte für einige Stunden real werden. Kein Standesdenken, keine Hierarchie des Alltags – nur Spiel, Humor und Kunst.

Das Spiel breitet sich aus

Die Idee sprach sich schnell herum. Schon bald entstanden weitere Reyche in anderen Städten des deutschsprachigen Raums: Wien, Berlin, Hamburg, München. Mit der deutschen Auswanderungswelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderte die Schlaraffia mit in die Neue Welt.

New York, Buenos Aires, São Paulo – überall dort, wo deutschsprachige Einwanderer eine neue Heimat suchten, gründeten sie auch einen Schlaraffen-Reych. Das Band der gemeinsamen Sprache und des gemeinsamen Spiels hielt sie zusammen – über alle Entfernungen hinweg.

Schlaraffia überlebt die Stürme der Geschichte

Zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – Schlaraffia hat vieles überlebt. In Deutschland und Österreich wurde die Vereinstätigkeit in den Kriegsjahren eingeschränkt oder unterbunden. Doch kaum war Frieden, lebten die Reyche wieder auf. Dieser Überlebenswille ist kein Zufall: Wo echte Freundschaft herrscht, findet sie immer einen Weg.

Besonders bemerkenswert: Während in Europa manches Reych temporär pausierte, lebte die Schlaraffia in Übersee ungebrochen weiter. Die Allschlaraffia – der weltweite Dachverband – sorgte für Zusammenhalt und Kontinuität.

Die Allschlaraffia – weltweiter Zusammenschluss

Alle Schlaraffen-Reyche der Welt sind in der Allschlaraffia zusammengeschlossen. Dieser Dachverband regelt die gemeinsamen Spielregeln, vergibt Reychs-Nummern und stellt sicher, dass ein Schlaraffe aus Tokyo bei einer Sippung in Frankfurt sofort zuhause ist.

Die Allschlaraffia hält damit etwas aufrecht, das in der modernen Welt selten geworden ist: Eine Gemeinschaft, die auf Werten gründet – nicht auf Profit oder Networking. Humor, Freundschaft und Kunst sind keine leeren Worte, sondern gelebte Praxis bei jedem Treffen.

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