Die Hohenburg über Homberg

Das Reych Zur Hohenburg heißt nach der Burg über der Stadt. Sie hat drei Dinge, die man einmal gehört nicht wieder vergißt: einen Brunnen von 150 Metern Tiefe, eine Belagerung, die nicht an Mauern, sondern am Wasser entschieden wurde, und einen Turm, der wie aus dem dreizehnten Jahrhundert aussieht und aus dem zwanzigsten ist.

Ein Basaltkegel über der Efzeaue

Die Ruine der Hohenburg liegt auf dem heute bewaldeten Schloßberg, einem steil aus der Efzeaue aufragenden Basaltkegel, 376,5 Meter über dem Meeresspiegel. Von drei Seiten umgibt die Stadt Homberg den Berg. Wer oben steht, versteht sofort, warum hier gebaut wurde: Unten kreuzen sich zwei alte Fernwege, die Straße von Fritzlar nach Hersfeld und die „Lange Hessen“ von Frankfurt am Main nach Leipzig. Wer den Berg hielt, hielt die Kreuzung.

Die Herren von Hohenberg

Wer die Burg erbaute und wann, ist nicht bekannt — die Überlieferung setzt mit Menschen ein, nicht mit Mauern. 1162 wird ein Rentwich de Hohenberc urkundlich genannt, ein Rentwich von Hohenburg also; um 1190 gilt die Burg als landgräflich und wird Sitz eines landgräflichen Amtes. Die Burg selbst erscheint erst 1246 in einer Urkunde. Das Geschlecht der Hohenberg starb 1427 aus. Burg und Stadt bildeten von Anfang an eine Einheit: Die landgräfliche Verwaltung saß oben, der Wollhandel unten.

Der Umbau von 1508

1508 war Erzbischof Hermann IV. von Köln, Bruder des hessischen Landgrafen, Eigentümer der Burg und ließ sie aufwendig umbauen. Von diesem Umbau ist ein sprechendes Stück erhalten: eine bei Grabungen gefundene Bronzetafel mit seinem Namen und der Jahreszahl 1508. Sie liegt heute im Heimatmuseum der Stadt.

Der Burgbrunnen — 150 Meter in den Basalt

Eine Höhenburg hat ein Grundproblem, und es heißt Wasser. Landgraf Moritz ließ es von 1605 bis 1613 lösen: Acht Jahre lang wurde der Burgbrunnen in den Basalt getrieben, 150 Meter tief. Er gehört damit zu den tiefsten Burgbrunnen Deutschlands. Der Aufwand war beträchtlich — und er hat die Burg, wie sich dreiundzwanzig Jahre später zeigte, dennoch nicht gerettet.

1636 — der Brunnen entscheidet den Krieg

Am 16. Juli 1636 besetzten kaiserliche Truppen die Stadt. Die Belagerung der Burg durch ein Heer von 13.000 Mann unter General Johann von Götzen wurde abgewehrt — die Mauern hielten. Auf der Burg hatten sich damals etwa 3.000 Flüchtlinge aus Stadt und Umland zusammengedrängt.

Dann kam der Zufall, den keine Befestigung abwehrt: Eine Frau stürzte in den Brunnenschacht. Das Wasser war nicht mehr nutzbar. Als am 3. August 1636 die zweite Belagerung begann, mußte die Besatzung aus Wassermangel kapitulieren. Beim Abzug brannten die kaiserlichen Truppen Burg und Stadt nieder.

1647 und 1648 — das letzte Hin und Her

Die Ruine blieb umkämpft. 1647 setzten Truppen des Generals Peter Melander von Holzappel sie notdürftig instand. Vom 28. bis 30. Januar 1648 eroberte Generalwachtmeister Carl Rabenhaupt sie für Hessen-Kassel zurück; am 9. Februar 1648 kapitulierte sie erneut. Wenig später endete der Krieg, der sie zerstört hatte.

Steinbruch für die eigene Stadt

Aufgebaut wurde die Burg nicht mehr. Sie verfiel — und wurde zum Steinbruch für den Wiederaufbau der ebenfalls zerstörten Stadt. Wer heute durch die Homberger Altstadt geht, geht an Bauteilen der Hohenburg vorbei, ohne es zu merken: Viele von ihnen stecken in den Häusern unten. Der Brunnen, der 1636 den Ausschlag gegeben hatte, wurde 1657 endgültig verfüllt.

Wie die Ruine wieder sichtbar wurde

Der Turm, der kein Bergfried ist

Das ist der Punkt, an dem eine Burgführung ehrlich werden muß. Der wuchtige Rundturm mit elf Metern Durchmesser und vierzehn Metern Höhe, der von unten wie der alte Bergfried aussieht, ist kein mittelalterlicher Bestand. Er wurde von 1952 bis 1958 auf alten Fundamenten errichtet — als Aussichtsturm im Stil alter Bergfriede. Ältere Turmpläne waren nicht zur Ausführung gekommen.

Das nimmt der Burg nichts. Es verschiebt nur, was man bewundert: nicht die Zähigkeit des Mittelalters, sondern die einer Stadt, die sich ihre Ruine in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgeholt hat.

Was von der Anlage steht

Erhalten und freigelegt sind die Vorburg mit Zwinger, der Torturm, Reste des Palas, das Brunnenhaus, der Marstall und Teile der Ringmauer, die an manchen Stellen eineinhalb Meter stark ist. Auf dem Gelände der Vorburg gibt es eine Gaststätte; die Anlage ist frei zugänglich.

Für das Reych ist diese Burg keine Heimstatt, sondern ein Namensgeber: Gesippt wird unten in der Stadt, in der Burg Chattenfeste. Aber der Name verpflichtet — wer sich nach einer Burg nennt, sollte ihre Geschichte kennen.

Die Angaben dieser Seite folgen der öffentlich zugänglichen Stadt- und Burggeschichte Hombergs; Bauzeit und Erbauer der Burg sind nicht überliefert. Der in der Literatur genannte Burgverein hat keine erreichbare Netzseite mehr, deshalb ist hier keine verlinkt; nach Öffnungszeiten, Führungen und Bildrechten fragt man am besten bei der Stadt Homberg (Efze). Stand: September 2026.

Zusatzinformationen

Die Hohenburg über Homberg Die Homberger Synode von 1526 Auf den alten Hessenstraßen

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