Am Marktplatz steht das Fachwerkrathaus von 1704, auf mittelalterlichen Fundamenten, seit 1991 mit einem Glockenspiel. Unter dem Haus liegt ein Gewölbe, und dieses Gewölbe führt ein Doppelleben. Der vordere Raum ist das Trauzimmer der Stadt Homberg – wer hier standesamtlich heiratet, gibt sein Ja-Wort in diesem Keller. Der hintere Teil ist die Burg der Homberger Schlaraffen.
Ein Gewölbe, zwei Anlässe
Der vordere Raum heißt bei den Schlaraffen Vorburg – so nennt man dort seit jeher den Vorraum vor dem Rittersaal. Dass die Stadt ausgerechnet ihn als Trauzimmer nutzt, ist praktische Doppelbelegung und ein hübscher Zufall zugleich: Derselbe Raum, in dem samstags Eheversprechen gegeben werden, ist mittwochs die Garderobe für einen Abend, an dem der Alltag draußen bleibt.
Zugang zu beidem gibt es nicht über den Haupteingang des Rathauses, sondern seitlich über die Obertorstraße, an der Rückseite.
Was mittwochs hinten passiert
Alle vierzehn Tage, Beginn 19.30 Uhr, Dauer etwa zweieinhalb Stunden. Kein Handy auf dem Tisch, kein Termindruck. Jemand trägt ein selbst geschriebenes Gedicht vor, jemand macht Musik, jemand hält einen Vortrag und wird zweimal von einer guten Pointe unterbrochen.
Die Abende sind durchnummeriert. Im Oktober 2026 steht Sippung Nummer 159 an. Diese Zählung sagt mehr über den Verein als jede Selbstbeschreibung: Hier wird nicht gelegentlich etwas veranstaltet, hier läuft etwas weiter.
Warum das Reych „Zur Hohenburg" heißt
Über der Altstadt erhebt sich ein Basaltkegel, und darauf stehen die Reste der Hohenburg. Nach ihr hat sich das Reych benannt – und sitzt dann konsequenterweise im Keller. Wer den schlaraffischen Humor verstehen will, kann hier anfangen.
Als Gast dabei sein
Der Besuch kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Der Eingang liegt an der Rückseite des Rathauses, seitlich an der Obertorstraße. Sagen Sie vorher kurz Bescheid, dann wartet jemand an der Pforte – diese Tür findet man sonst nicht.
🦉 Das Reych heißt Zur Hohenburg und trägt die Nummer 430. Eingetragen ist es als Kulturverein Schlaraffia Homberg/Efze e. V. Über allem steht der Wahlspruch aller Schlaraffen: In arte voluptas – in der Kunst liegt das Vergnügen.
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