Kultur bei der Schlaraffia in Homberg/Efze ist Handarbeit: Im Rathauskeller tragen die Mitglieder des Reychs Zur Hohenburg selbst verfasste Verse, Limericks, kleine Vorträge und Musikstücke vor, liefern sich Wortgefechte und treten im Turney gegeneinander an. Gäste lehnen sich zurück und hören zu, jeden zweiten Mittwoch ab 19.30 Uhr.
Vierzehn Tage Zeit zum Dichten
Dass nur alle zwei Wochen gesippt wird, hat für die Kleinkunst einen Vorteil: Zwischen zwei Mittwochen bleibt genug Zeit, am eigenen Beitrag zu feilen. Fechsung nennen die Schlaraffen, was einer selbst geschrieben oder komponiert hat, und jeder Abend gibt dafür ein Stichwort aus. Mal ist der Limerick gefragt, jener fünfzeilige Unsinn mit Pointe, der im Homberger Kalender augenzwinkernd „Limmerix“ heißt. Mal werden Rittergeschichten erzählt, mal geht es um den Dichter, den man am liebsten liest. Und einmal stellt sich das Reych ganz zeitgemäß die Frage, ob Fechsungen mit Hilfe künstlicher Intelligenz überhaupt einen Sinn haben. Die Antworten darauf werden, wie es sich gehört, von Hand verfasst.
Wettstreit und Stegreif
Neben den Themenabenden kennt das Reych den Wettstreit. Beim Turney um das Brusttuch der weißen Frau treten die Beiträge gegeneinander an, und am Ende steht fest, wessen Fechsung den Preis davonträgt. Nicht alles ist vorbereitet: Wenn ein Zwischenruf vom Thron eine Antwort verlangt, zählt die schnelle Pointe mehr als das sorgfältig gereimte Manuskript. Einmal in der Winterung reiten Ehrenritter in die Chattenfeste ein, und die Homberger reiten ihrerseits aus, etwa zum Reych Chasalla nach Kassel, mit dem sie vor Weihnachten die Uhubaumfeyer gemeinsam begehen.
Töne unter dem Glockenspiel
Musik gehört in der Chattenfeste dazu, gleichberechtigt neben dem Gedicht. Ein Abend des Reychs war sogar dem Geburtstag Johann Sebastian Bachs gewidmet, der Thomaskantor bekam also auch in Nordhessen sein Ständchen. Wer zur rechten Zeit über den Marktplatz kommt, hört mit etwas Glück schon vorher Musik: Das Fachwerkrathaus von 1704, unter dem gesippt wird, trägt seit 1991 ein Glockenspiel. Leisere Töne schlägt das Reych im November an, wenn es bei der Ahallafeyer der verstorbenen Freunde gedenkt, und im Dezember bei Kerzenschein.
Ein Kulturverein in der Reformationsstadt
Ins Vereinsregister eingetragen ist das Reych als Kulturverein Schlaraffia Homberg/Efze e. V., und der Name ist ernst gemeint: Gepflegt werden Humor, Freundschaft und Kunst, über allem steht der Wahlspruch In arte voluptas, in der Kunst liegt das Vergnügen. Die Stadt selbst hat ein großes Kapitel Kulturgeschichte zu bieten. Seit 2014 trägt sie den Zusatz Reformationsstadt, in St. Marien erinnert ein Fenster von 1893 an die Synode von 1526, und in der früheren Engel-Apotheke zeigen seit 2019 das Haus der Reformation und das Hohenburgmuseum die Vergangenheit. Die Schlaraffen ergänzen diese Erinnerungskultur um etwas Flüchtiges: Kunst, die an einem Mittwoch entsteht und am selben Abend verklingt. Was 1526 geschah, steht auf der Seite Die Homberger Synode von 1526.
Mitbringen müssen Sie nur Ohren
Als Gast müssen Sie weder reimen noch singen. Viele genießen die ersten Abende als Zuhörer, manche bringen irgendwann eigene Zeilen mit, und beides ist willkommen. Welches Stichwort am nächsten Mittwoch ansteht, steht unter Veranstaltungen; was Sie zu Anmeldung, Kosten und Kleidung wissen sollten, beantworten die häufigen Fragen. Und warum erwachsene Männer so viel Freude an gereimtem Unsinn haben, erklärt schlaraffenfreunde.de unter Schlaraffia in wenigen Worten.
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