Zwei mittelalterliche Altstraßen verbanden Frankfurt am Main mit Leipzig. Sie hießen „durch die kurzen Hessen“ und „durch die langen Hessen“, und eine von ihnen führte mitten durch Homberg. Das ist der Grund, warum diese Stadt Wollhandel, Landtage und eine Burg über dem Markt bekam — und warum sie mit Eisenach und Friedberg mehr verbindet als die Uhunetzseite.
Woher der Name kommt
Der Name hat mit der Länge der Menschen nichts zu tun und mit der Länge der Strecke alles: Er bezeichnet, wie weit ein Fuhrmann auf hessischem Hoheitsgebiet fuhr. Die „lange Hessen“ lief lange durch Hessen, die „kurze“ nur ein Stück weit. Für den Fuhrmann war das keine Geographie, sondern eine Rechnung, denn Abgaben fielen je Hoheitsgebiet an. Schriftlich bezeugt sind die beiden Namen in einer Leipziger Urkunde von 1569.
Die beiden Wege
Durch die langen Hessen: Frankfurt am Main — Kleinlinden — Treysa — Homberg — Spangenberg — Waldkappel — Creuzburg — Eisenach und weiter nach Leipzig.
Durch die kurzen Hessen: Frankfurt am Main — Friedberg — Grünberg — Alsfeld — Hersfeld — Eisenach.
Beide Straßen trafen sich also in Eisenach, um von dort gemeinsam weiterzuziehen. Und beide waren keine Straßen in unserem Sinn: Altstraßen sind Höhenwege. Sie mieden die nassen Talauen, die Furten und die Brücken, wo es ging, und liefen auf den Rücken der Berge — oft als ein Bündel nebeneinander verlaufender Spuren, das je nach Wetter und Zustand gewechselt wurde. Eine Altstraße ist deshalb selten eine Linie, meist ein Streifen.
Was Homberg davon hatte
Alles, was die Stadt groß gemacht hat. Am Ort, wo die „lange Hessen“ die Straße von Fritzlar nach Hersfeld kreuzte, wurde gehandelt: Wolle, Tuch, Leder. Die erhaltenen Zunftbriefe der Schuhmacher und Lohgerber von 1345, der Böttcher und Wagner von 1404 und der Leineweber von 1428 sind die Urkunden dieses Wohlstands, und Homberg zählte zu den wohlhabendsten Städten der Landgrafschaft.
Und die Lage machte die Stadt zum Versammlungsort: Wo ohnehin alle durchkamen, tagten die hessischen Landstände — 1508, 1509, 1514, 1518 und 1536 — und im Oktober 1526 die Homberger Synode. Wer die Kreuzung hielt, hielt auch die Termine. Gehalten wurde sie von der Burg über der Stadt, der Hohenburg.
Ein Weg, drei Reyche
Für Schlaraffen hat diese alte Wegekunde einen hübschen Nebeneffekt. Wer die beiden Hessenstraßen abfährt, kommt an drei Uhunetzseiten der Flotte vorbei:
- Homberg liegt an der langen Hessen — hier sippt das Reych Zur Hohenburg (430) in der Burg Chattenfeste.
- Friedberg liegt an der kurzen Hessen — dort hält die Nauinheimbia Wettereiba aurea (247) ihre Burg: schlaraffia-friedberg.de.
- Eisenach ist der Punkt, an dem beide Straßen zusammenlaufen — dort sippt heute das Feldlager Ysen-Aha: schlaraffia-eisenach.de.
Ein Einritt von Homberg nach Eisenach oder von Friedberg nach Homberg ist damit, wenn man es romantisch nehmen will, eine Fahrt auf einer mittelalterlichen Handelsstraße. Man muß es nicht romantisch nehmen. Es schadet aber auch nicht.
Die Angaben zu den beiden Altstraßen und ihren Stationen folgen der öffentlich zugänglichen Landesgeschichte; die Wegführungen sind Rekonstruktionen aus Urkunden, Zoll- und Geleitsverzeichnissen, keine vermessenen Trassen — im Gelände liegt meist ein Bündel von Spuren nebeneinander. Stand: September 2026.